Die Speegemeinschaft in Montevideo

 

Hildegard Jahn organisierte 1979 das große Spee-Treffen mit Besuchern aus Deutschland und Argentinien; in der Fotogalerie das Ereignis abgebildet, ein Unikat, zumal es zu allen späteren Gedenktagen es nie wieder zu so einem Format reichte.


Die Speegemeinschaft in Buenos Aires

 

Als großes Ziel setzte sich der Kameradenkreis im Jahr 1954, Frau Ruth Langsdorff und ihre Tochter Inge nach Buenos Aires einzuladen. Durch Spenden innerhalb der Speefahrer, der angeschlossenen Verwandten und Freunde, die nicht zuletzt dadurch zustande kamen, weil eben diese Gemeinschaft "immer offen für alle war", gelang das Vorhaben; das notwendige Geld für die Reise und den längeren Aufenthalt für Frau Langsdorf und ihrer Tochter konnte eingesammelt werden - im Dezember 1954, es war der 15. Todestag von Hans Langsdorff, trafen beide in Buenos Aires ein.

 

Später, als die ersten Söhne und Töchter "dem Kreis beitraten" wurde, auch für die eine Weihnachtsfeier arrangiert – auch ein Weihnachtsmann gehörte dazu. Und einige waren auch an den Gedenktagen dabei. So auch, als 1954 Frau Langsdorff mit Tochter Inge zu Besuch in Buenos Aires waren und mit den diversen Speekreisen, die eigens angereist waren, am der Gedenkfeier teilnahmen. Anlässlich des Besuches, wurde Frau Langsdorff vom damaligen deutschen Botschafter Sebel und Dolch übergeben.

 

In seinem Buch "I was Graf Spee Prisoner“ berichtet Capt. P. Dove, Kapitän der "Africa Shell", voller Achtung und Wertschätzung über seine Begegnungen und Gespräche mit Langsdorff. Und Capt. C. Pottinger, Kapitän der "Ashlea", hatte auch an dem Begräbnis von Langsdorff teilgenommen und einen Kranz niedergelegt. Beide hatten übrigens in Montevideo, bevor sie von Bord gingen, ein Mützenband von Langsdorff zur Erinnerung bekommen – diese stammten von zwei Gefallenen und Langsdorff meinte ernst, dass sie diese haben sollten.

 

Aber auch die Kriegsgegner von einst äußerten sich immer mit Respekt und Achtung über Langsdorff. Hätte er nicht diese Entscheidung getroffen, darüber waren sie sich im Klaren, hätten auch sie in einem erneuten Kampf einen gewaltigen Blutzoll geleistet. Seit den 50er Jahren kam es immer wieder vor, dass internationale Delegationen bestehend aus Briten, Neuseeländer, andere internationale Marineverbände die zu Besuch in Buenos Aires waren, einzelne deutsche oder ausländische Besucher das Grab besuchten und Blumengrüße ablegten – das wurde schnell zu einer Tradition und ist es bis in die Gegenwart geblieben.


Im Jahr 1961 besuchten zwei Schulfregatten der "Bundesmarine" Buenos Aires. Es waren die Fregatten "Hipper" und "Graf Spee" - dieser Name war natürlich Programm.

 

Es war überwältigend, mit welcher Herzlichkeit und Freude die Besatzungen in Buenos Aires empfangen wurden. Es gab ein Kinderprogramm an Bord der Fregatten für die Söhne und Töchter der ehemaligen Besatzungsmitglieder der "Graf Spee".

 

Die deutschen Turnvereine in "Los Polvorines", "Villa Ballester", etc. veranstalteten Festabende für die Besatzungen und eine Abordnung der beiden Fregatten wurden in der "Casa Rosada" vom damaligen Präsidenten Frondizi empfangen.

 

Kurz und gut, Buenos Aires mit seinen Einwohnern stand Kopf, nicht nur die Deutschen, auch die Argentinier, denn die ab Ende 30 konnten sich noch gut an die Dezembertage des Jahres 1939 erinnern. Diese Hauptstadt hatte schon oft ausländische Marineeinheiten zu Gast, aber so ein Aufsehen gab es bis dahin noch nie und hat sich auch nicht wiederholt.

Aber auch hier stand im Mittelpunkt die Ehrung mit Kranzniederlegung am Grab von Langsdorff.

Das Bild wurde am 25. März 1961 aufgenommen, anlässlich des Besuches der Fregatten "Hipper" und "Graf Spee". Im Hintergrund ist der Eingang zum "Deutschen Friedhof", Str. Av. Elcano zu sehen.

Es handelt sich hier um den Kameradenkereis "Spee". In der ersten Reihe vorne, von rechts der 2. ist mein Vater im Mantel und in die Kamera schauend und der 5. ist Rasenack im Anzug geradeaus schauend.

 

 


Die genauen Gründe, warum eine Person im Jahr 2002 die Leitung der Speegemeinschaft in Buenos  Aires übernahm, die mit der "Spee-Geschichte" nichts zu tun hatte und die bis dahin anfangs nur zu Gast auf den Treffen war ist nicht schriftlich nachzuvollziehen, aber offenbar war ein Vakuum entstand, da eine geeignete Folge aus dem Kreis der Speefahrer nicht mehr zu organisieren war. Inzwischen hatten sich allzu viele bereits auf ihre "letzte Reise" begeben. Denkbar wäre es gewesen, dass einer der Junioren die Aufgabe übernommen hätte, aber viele der Väter hatten es wohl versäumt, sich vom Dritten Reich zu distanzieren. Allein die Hakenkreuze auf den Grabkreuzen "überlebten", nach Ende des Krieges darüber hinaus, mehr als 40 Jahre und zehn in Buenos Aires akkreditierte deutsche Botschafter.

Die angedachte Entfernung dieser Symbole von den Grabkreuzen 1989 gab Anlass zu einer Spaltung in Argentinien! Ob das die gesamte Speegemeinschaft betraf, hüben wie drüben, oder nur einseitig, ist nicht genau zu beantworten. Auf alle Fälle fühlte sich die heimische Speekameradschaft in Buenos Aires zum wiederholten Mal bevormundet. Nebenstehend ein Auszug aus der "Spee-Info". Teile der deutschen Speegemeinschaft waren 1989 zum 50. Gedenken nach Argentinien gereist.

 

Es war im übrigen KptzS. R. Vito Housselle, von 1986 bis 1989 Militärattaché an der Deutschen Botschaft in Buenos Aires, der den entscheidenden Anstoß zur Entfernung der HK gab - auch wenn die längst überfällige Maßnahme erst Anfang der 90er Jahre erfolgte.  

 

Die Grabkreuze sind aus Eichenholz gefertigt, welches vom Paraná-Delta herbeigeschafft wurde. Besatzungsmitglieder haben anschließend die Stämme gespalten und drei von denen, gelernte Tischler, die es an Bord ja gab, haben dann die Gravur vorgenommen. Die Grabstätte befindet sich, nachdem man das Hauptportal durchlaufen hat und den Weg rechts einschlägt, im Vordergrund.


Merkmale der Grabstätte

 

Weiter ist in der "Einleitung" ist zu lesen, dass die Deutsche Botschaft für die Bestattung und für die Fläche, wo später die Grabstätte entstand, verantwortlich war.

Das ergibt sich nicht nur aus einer Vernehmung des ehemaligen Botschafters v. Themann, die im Mai 1945 durch den US-Navy-Commander Weisskopf durchgeführt wurde, in der zu lesen ist, dass die Vorgaben für die Grabanlage durch ihn selbst, in Absprache mit Niebuhr, erledigt wurden.

Auch die jährliche Gebührenzahlung an die Friedhofsverwaltung wurde, wie alle anderen Verbindlichkeiten auch, aus einer der gut gefüllten Kassen bedient die die NSDAP-Auslandsorganisation verwaltete.

Selbst ab 1944, als Argentinien die diplomatischen Beziehungen aufkündigte und der deutsche Botschafter und sein Gefolge das Land verlassen mussten, hatte das generell keinen Einfluss auf die Zahlungsverpflichtungen. Auch nach Ende des Krieges konnten die Guthaben, wie im Abschnitt "Das Netzwerk" beschrieben, nicht beschlagnahmt werden, sodass die Zahlungen weitergingen und die Grabstätte nie belastet war. Wie das nach dem Krieg geleistet wurde, darüber wurde nie gesprochen – das Netzwerk funktionierte weiter.

Auch in einem Buch, das nicht öffentlich zugänglich ist und welches die Friedhofsverwaltung führt und wo alle Vorgänge die eine Grabstätte anbelangt abbildet, findet sich das bestätigt, das die Zahlungen immer geleistet wurden. Seitdem die Grabstätte in ein Denkmal umgewidmet wurde, sind keine Gebühren mehr zu entrichten.

 

Demnach ist die Bundesrepublik Deutschland, als Rechtsnachfolgerin des "Dritten Reiches", verantwortlich für diesen Platz um müsste über die Deutsche Botschaft in Buenos Aires die Pflege garantieren, was bisher aber nicht geschah.

 

Um die Pflege kümmerten sich in der Vergangenheit immer nur ehemalige Besatzungsmitglieder, die nach dem Krieg nach Argentinien zurückkehrt waren und in Buenos Aires sesshaft wurden. Später, nach deren Tod, ihre Angehörigen. Aber die Zeit lief weiter und wie es nun weiter geht, wird die Zukunft noch zeigen müssen.

 

Dass die Grabstätte heutzutage Denkmalschutz genießt, liegt in der Wahrung der kulturpolitischen Interessen des "Ministeriums für Umwelt und öffentlichen Raum von Buenos Aires", das auch für den Erhalt der Friedhöfe verantwortlich ist.

Auch dem Deutschen Friedhof wird ein ausgeprägter künstlerischer Charakter bescheinigt, der sich im skulpturalen Erbe widerspiegelt das viele seiner Gräber schmückt. Daher wurde mit Dekret Nr. 525/2010 für "Nationale Historische Denkmäler" bestimmt, dass nach Artikel 2°: "Die Friedhofskapelle und der Eingang zum Deutschen Friedhof zu nationalen historischen Denkmälern erklärt werden".El Patrimonio cultural – Cementerios. - Das Friedhof-Kulturerbe -


Die Deutsche Verantwortlichkeit

Noch nie hat ein Mitglied der jeweiligen deutschen Bundesregierung, im Laufe der Jahrzehnte, das Grab von Hans Langsdorff mit den vier beigebetteten Seeleuten besucht und selbst die Kriegsgräber in Montevideo sind praktisch auch noch nie besucht worden; mit einer Ausnahme, der ehemalige Außenminister H-D. Genscher besuchte diese am 12.03.1985.


Weiter, schrieb gelegentlich ein Vorstandsmitglied einer Wertegemeinschaft mit Sitz in Berlin-Brandenburg, dass er anlässlich seines Besuches in Argentinien auch den Deutschen Friedhof in Buenos Aires besucht hatte, Mitglieder seiner Familie hatten dort ihre letzte Ruhe gefunden. Und dort, ganz in der Nähe, die Grabstätte von Hans Langsdorff fand und sich spontan entschloss, einen Kranz niederzulegen als Ehrung und Erinnerung an die "Admiral Graf Spee", an die Mannschaft und an den Kommandanten, der in ehrenhafter Weise gehandelt hatte.

Als er zufälligerweise auf diese Webdokumentation stieß, war er sehr erfreut und entschloss sich vom Besuch darüber zu berichten.

Das ist wieder einmal ein Beweis mehr, dass auch Besucher auf dem "Deutschen Friedhof", die mit dem historischen Geschehen im Prinzip nicht verbunden waren oder sind, spontan diese Ehrung erweisen und am Grab Blumen oder einen Kranz niederlegen.


Stadt Bergen auf Rügen

VAdm. Schönbach liest den Text auf der Gedenktafel.
VAdm. Schönbach liest den Text auf der Gedenktafel.

Ein Anlass muss besonders erwähnt werden, der seinen Beginn vor über 10 Jahren hatte, mit dem mitunter kaum noch zu rechnen war, aber doch rechtzeitig, zum 82. Gedenken, wahr wurde.

 

Mehr als 80 Jahre nach dem historischen Ereignis um die "Admiral Graf Spee", um ihren Kommandanten KptzS. Langsdorff und seiner Besatzung ist erstmalig, im Dezember 2020, im öffentlichen Raum, in der Stadt Bergen auf Rügen eine Gedenktafel gegenüber dem örtlichen Amtsgericht aufgestellt worden, dem Geburtshaus von Hans Langsdorff, die sowohl allgemein an die Ereignisse im Dezember 1939 erinnert, als auch an die besondere Haltung eines Seeoffiziers, der eine mutige und moralisch vorbildliche Entscheidung traf, in dem er Menschlichkeit vor militärischer Tradition stellte. Aufgrund der epidemischen Lage konnte der eigentliche Festakt erst im darauffolgenden Jahr im Oktober 2021 stattfinden.

 

Das ganze Vorhaben, diese Gedenktafel aufzustellen, steht im Kontext zu dem vor einiger Zeit erschienenen Buch von H-J Kaack, ehemals Stabsoffizier in der Deutschen Marine, indem die Biografie von Hans Langsdorff erstmalig beschrieben wird; erschienen im F. Schöningh Verlag, Paderborn. Auch der Text auf der Gedenktafel wurde vom Autor abgefasst.

 

Das Bedeutende an dieser Aufstellung ist darüber hinaus, dass hier zugleich ein Zeichen gesetzt wurde. Denn seit ihrem Bestehen war die Deutsche Marine bisher offenbar außerstande eine eindeutige Position zu den Handlungen von Hans Langsdorff einzunehmen.

 

Er hatte doch nach seinem persönlichen Wertekompass gehandelte und anstatt seine Besatzung in einen aussichtslosen Kampf zu führen, "für die Ehre der Flagge" oder wie es damals glorifizierend hieß "für Führer, Volk und Vaterland" und was nur in einem "Scheibenschießen" geendet hätte zum Vorteil eines, mittlerweile übermächtigen Gegners, versenkte er das Schiff, um es nicht in die Hände des Kriegsgegners fallen zu lassen und rettete dadurch das Leben seiner Männer!

  • Es gibt die bekannte Aussage von Langsdorff, die von den Speefahrer später immer wieder in Erinnerung gerufen wurde und die ihn dafür so sehr verehrten: "Ich lasse uns dort draußen auf See nicht von einer Übermacht zusammenschießen. Mir sind tausend junge lebende Menschen lieber als tausend tote Helden".
  • Aber auch die Kriegsgegner von einst äußerten sich immer mit Respekt und Achtung über Langsdorff. Hätte er nicht diese Entscheidung getroffen, darüber waren die sich im Klaren, hätten auch sie in einem erneuten Kampf einen gewaltigen Blutzoll geleistet.
  • Angesichts dieser Wertschätzung für Langsdorff, die ihm jetzt seit mehr als 80 Jahren international dargebracht wird und unvermindert anhält, wirft ebendas im Ausland, die Frage auf, warum geht die Deutsche Marine mit dieser Person, die Geschichte schrieb, so um? Insbesondere hat man in Südamerika dafür überhaupt kein Verständnis …
  • Mit dem Wechsel an der Spitze der Deutschen Marine im März 2021 und der Übergabe des Kommandos an VAdm. Schönbach, hat sich die Einstellung zur Person Langsdorff offenbar deutlich verbessert. Nicht nur, dass im Dienstzimmer des Inspekteur der Marine ein Porträt von Langsdorff hängt, er betonte auch, >>dass Langsdorff in einer Extremsituation und in seiner Zeit handelte<<. Auch soll ein Raum für Langsdorff in der MS Mürwik geschaffen und Langsdorff soll den zukünftigen Offiziersanwärter/innen nähergebracht werden.

Mit der Aufstellung der Gedenktafel und dem Bekenntnis von VAdm. Schönbach zu Hans Langsdorff war die Hoffnung groß, dass nun endlich eine sachliche Betrachtungsweise in der Marine Einzug hält. Wie sich jetzt der Sachverhalt weiter entwickeln wird, nach der unerwarteten Demission von Schönbach im Januar 2022, bleibt abzuwarten. In der Galerie ist der gesamte Bericht über den Festakt in Bergen nachzulesen; dazu einige Fotos.



Die Familie Langsdorff

Das Geburtshaus von Hans Langsdorff gibt auch Anlass hier in der Galerie, einige historische Aufnahmen aus seinem Privatleben abzubilden; von wahrer Seltenheit ...



Auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf befindet sich die Grabstätte der Familie Langsdorff – auf der Steinplatte werden die Eltern, der Bruder und die Schwester von Hans Langsdorff genannt.

Weiter befindet sich seitlich eine Gedenkplatte – es wird an KptzS. Hans Langsdorff und seinem älteren Sohn LtzS. Jochen Langsdorff erinnert.

Jochen Langsdorff ist mit einem Einmann-U-Boot- Typ "Biber" auf See geblieben und gilt seit 20. Dezember 1944 als verschollen.

Auffallend ist zwar zunächst, dass ein Gedenken an die Ehefrau Ruth Langsdorff nicht besteht, aber das könnte mit der privaten Determination des Familiengrabes zu tun haben.

Aus dem Grabbuch Pos.114 Langsdorff, Klaus Wilhelm Hermann.
Aus dem Grabbuch Pos.114 Langsdorff, Klaus Wilhelm Hermann.

Bemerkenswert ist aber, dass an den jüngeren Sohn Klaus Langsdorff auch nicht gedacht wird,

Der kleine Klaus starb am 02. März 1936 im Alter von knapp sieben Jahren an einer frühkindlichen Diabetes – er wurde auf dem Nordfriedhof in Kiel bestattet. Wann die Grabstätte aufgelöst wurde, ist nicht bekannt, aber nach Auskunft der Friedhofsverwaltung wurde in der damaligen Zeit bei Kindern eine Laufzeit von 25 Jahren angenommen. Demzufolge muss 1961 eine Entscheidung getroffen worden sein – Ruth Langsdorff jedenfalls starb 1963.

Da die Gedenkplatte erst sehr viel später platziert wurde, fragt man sich schon, warum die verbliebene Familie (Tochter und Schwiegersohn) kein Gebot sah diesen Menschen zu gedenken ... und wenn dann noch einbezogen wird, dass die Enkel nie die Grabstätte ihres Großvaters in Buenos Aires besucht haben, stimmt das einen überdies nachdenklich.


Einzelne Impressionen vergangener Gedenkakte an der Grabstätte.


Das Jahr 2024 war wieder was besonderes; nicht nur, dass auf dem Deutschen Friedhof in Buenos Aires das 85. Gedenken begangen wurde, im Mittelpunkt stand die Ehrung des Kommandanten KptzS. Hans Langsdorff, sondern, dass nach über 20 Jahren war mal wieder ein deutscher Marineattaché zugegen war.

 

FKpt. Peter Christian Semrau, der seit Februar 2024 an der Deutschen Botschaft in Buenos Aires akkreditiert ist, hielt  anlässlich der Gedenkfeier eine Ansprache.

 

FKpt. Semrau war bis 2015 Kommandant der Fregatte "Lübeck" und danach wechselt er ins Bundesministerium der Verteidigung nach Berlin, um dort als Referent in der Abteilung für Einsatz und Strategie tätig zu sein.

 

Aus diesem Grund, dass nach zwei Jahrzehnten mal wieder ein aktiver Deutscher Marineoffizier, KptzS. Hans Langsdorff, die Ehre erweist und an seine Leistungen erinnert, wird die Rede hier zuallererst publiziert.

 

FKpt. Semrau verweist in der Rede ausdrücklich auch auf das Buch von Hans Jürgen Kaack: Kapitän zur See Hans Langsdorff  - Der letzte Kommandant des Panzerschiffs Admiral Graf Spee - Eine Biographie.


Fkpt. Semrau erinnerte an den 85. Todestag von KptzS. Hans Langsdorff und daran, das dieser als jemand galt, der während seiner ganzen militärischen Vita von seinen Untergebenen geachtet und respektiert wurde.

  • Er erwähnte, dass Langsdorff bis zu seinem Tod die Rangliste seiner Crew stets anführte, obwohl er mitunter eigene Wege ging - als Kommandant der Kaiserlichen Kriegsmarine ließ er beim letzten Einlaufen seines Boots 1918 Flagge und Wimpel niederholen, um eine Schießerei mit Revolutionären zu verhindern. Er ging 1918/19 nach Dienstschluss in Zivil zu Versammlungen, um zu erfahren, wie die neue politische Landschaft aussah.

Man kann hier durchaus bei Langsdorff vom "Staatsbürger in Uniform" sprechen, obwohl der Begriff erst 1953 konstituiert wurde.

 

Er warf die Frage auf:

  • Ist KptzS. Langsdorff nun ein Held, ein Vorbild oder nur ein tüchtiger Handwerker des Krieges, der die Moral über den "Endsieg um jeden Preis" stellte?

Und führte weiter aus:

  • KptzS. Hans Langsdorff galt als der integrer "Lebensretter" unter den Offizieren der Deutschen Kriegsmarine. In militärisch aussichtsloser Situation widerstand er im Dezember 1939 vor Montevideo der Erwartung der Marineführung, indem er ein "ehrenhaftes" letztes Gefecht mit den überlegenen Briten vermied. Er rettete dadurch seiner Besatzung von etwa 1.200 Mann das Leben, versenkte das evakuierte Schiff und tötete sich selbst.
  • Dies brachte ihm nicht nur den Respekt seiner Besatzung ein, sondern auch von Soldaten, die dem kritischen "Staatsbürger in Uniform" verpflichtet sind und nicht dem bedingungslosen Gehorsam.
  • Aber Langsdorffs Geschichte ist jedoch komplizierter, als es ein schlichtes Heldenepos erzählen könnte. Denn die kritische Situation, in der sich der Kommandant als fürsorglicher Lebensretter bewährte, hatte maßgeblich er selbst herbeigeführt. Die von ihm befehligte "Admiral Graf Spee" operierte seit Kriegsbeginn als "Handelsstörer" im Südatlantik mit dem für ein hochmodernes Kriegsschiff weder fordernden noch schmeichelhaften Auftrag, zivile Frachter zu versenken. Der Angriff nicht nur auf militärische Nachschubwege, sondern auf die gesamte Volkswirtschaft des "Gegners" entsprang der Logik des "totalen Krieges". Beim "Feind" gab es keine Nichtkombattanten mehr, die gemäß soldatischem Ehrenkodex zu schonen gewesen wären
  • Nach allem, was man von Langsdorff weiß, lag dem konservativ erzogenen und doch eigensinnigen Offizier dieser "feige" Auftrag schwer auf der Seele. Während des Einsatzes gegen wehrlose zivile Ziele weigerte sich Langsdorff, die Crews englischer Frachter als Feinde anzusehen. Kein einziges Besatzungsmitglied der durch die "Graf Spee" aufgebrachten Schiffe verlor sein Leben. Über die damals noch bestehende Vorschrift der Kriegsmarine hinaus, "gegnerische" Besatzungen zu schonen, sorgte Langsdorff für ihre ehrenhafte Behandlung.
  • Langsdorffs innerer Kampf zwischen gegensätzlichen Kriegsparadigmen gehört zur geistigen Grundspannung seiner Epoche. Dietrich Bonhoeffer unterschied im Ethik-Fragment von 1943 zwischen dem "ritterlichen Krieg unter christlichen Völkern" und dem "totalen Vernichtungskrieg" im Vorzeichen des "modernen Nihilismus". Hannah Arendt urteilte 1942, "größer als die Untat, einen Krieg entfesselt zu haben", sei "die Schande, gegen Wehrlose Krieg zu führen".
  • Langsdorff wird der Satz zugeschrieben: "Tausend lebende Seeleute sind mir lieber als tausend tote Helden". Die herrschende Linie dagegen hatte bei Großadmiral Raeder, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, so geklungen:"Das Deutsche Kriegsschiff kämpft unter vollem Einsatz seiner Besatzung bis zur letzten Granate, bis es siegt oder mit wehender Flagge untergeht". Langsdorff sah in der Fahne nicht "mehr als den Tod".
  • KptzS. Langsdorffs Ehrbegriff passte nicht in die politisch wie militärisch totalitären Umstände seiner Zeit. Dass KptzS. Langsdorff mit dem Entschluss zur Selbstversenkung und zur Rettung seiner Besatzung etwas moralisch Einzigartiges geleistet hat, scheint unumstritten. Hierfür gebührt ihm unser aller Respekt!

Zum Abschluss eine unterhaltsame Anekdote. Auf der "Graf Spee" war bekanntlich viel Technik verbaut – so auch Kreiselkopasse. Diese hatten gegenüber dem magnetischen Kompass, der bekanntlich nicht exakt nach Norden weist, da die magnetischen Pole nicht genau auf den geografischen Polen liegen, hinzu kommt eine Deviation, wenn zu viel Metall in der Nähe ist, diese Probleme nicht. Aufgrund ihrer Ausgestaltung aber mussten diese auch gewartet werden.

Einer der Verantwortlichen war der Mech.Mt.(A) Helmut Berlin – VI. Div..

Laut Zeitungsberichten hielt er sich bereits in den Jahren der Internierung in Mar del Plata auf und war dort in der Textilindustrie tätig.

 

Dort am Ort fing er an, sich mit dem Roulettesystem zu beschäftigen und ein Spielsystem aufzubauen. Entgegen dem herkömmlichen genutzten System anderer Spieler das zur Grundlage hatte auf die Nummern zu setzen, die nicht fielen, setzte er auf die, die an den Tischen am häufigsten gewannen.

 

Das Vorgehen war nicht zufällig – Berlin, gelernter Dreher, mit technischem Verstand und mit eben solchen Blick ausgestattet hatte erkannt, dass aufgrund der abgenutzten Achsen, die Drehteller regelmäßig so zum Stillstand kamen, dass die Gewinnsektoren sich wiederholten. Er spielte hier mit geringen Einsätzen, hatte Erfolge und diese bestätigten seine Theorie.

 

Da das Spielkasino aber für den "ganz großen Coup" zu klein war, ging er um das Jahr 1950 nach Mar del Plata zurück. Hier lernte er und seine Frau, russischer Abstammung und die er im Oktober 1945 heiratete, ein polnisches Ehepaar kennen und erzählte offenbar von seinen Erfahrungen in Necochea. Sie kamen überein, die einzelnen Spieltische genau zu beobachten, die Eigenschaften zu erfassen und der Erfolg stellte sich bald ein.

 

Das bisher gewonnene Geld wurde einem Fond zugeführt und es entstand ein Kreis von etwa 60 Personen, die zum Spielen mit einbezogen wurden – die Einsätze wurden aus dem Fond heraus bedient.

 

Anfangs ging die Kasinoleitung davon aus, dass es sich nur um eine Glückssträhne handelte, aber später fingen die Croupiers doch an sich Notizen zu machen und es wurden Teile der Tische erneuert - Berlin und seine Mannschaft, die bisher im Spiel erfolgreich waren, erhielten Kasinoverbot.

 

In 10 Monaten hatten Berlin und das polnische Ehepaar zusammen 35 Millionen Pesos gewonnen - umgerechnet etwa 2,3 Mill. Dollar – "die Bank war gesprengt". Ein erfolgreiches System.

 

Danach soll er sich wieder in die Textilindustrie begeben haben und u. a. Jeans erzeugt haben – im 66. Lebensjahr begab er sich auf seine letzte Reise.


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Schwerer Kreuzer HMS "Exeter"

Der Wahlspruch: "Semper fidelis"

York-Klasse - 8390 ts - 32 kn

Leichter Kreuzer HMS "Ajax"

Der Wahlspruch: "Nec Quisquam Nisi Ajax"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn

Leichter Kreuzer HMNZS "Achilles"

Der Wahlspruch: "Braverly in Action"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn