In Südamerika erzeugte Dokumentation
Personas non gratas …
Die Aufforderung, Offizieren und Besatzungsmitglieder (sog. Spezialisten) die Fluchten unbedingt zu ermöglichen, siehe "Deutsches Dokumenten-Archiv", bzw. auch in anderen Abschnitten schon berichtet, hatte für den Deutschen Botschafter v. Thermann, einigen seiner Mitarbeitern und für den Marineattaché KptzS. Niebuhr unumkehrbare Konsequenzen – sie alle wurden ausgewiesen.
Ihr "Arbeitsfeld" war aber Argentinien. Die Unterseite "Das Netzwerk" und "NS-AO in Argentinien" geben Aufschluss über die Betätigungsfelder dieser Herren; konspirative Arbeit mit dem Ziel eines Umsturzes in Argentinien und die Fluchthilfe mancher Besatzungsmitglieder der "Graf Spee". Das Ergebnis einer Geringschätzung gegenüber einem neutralen Staat war am Ende die Ausweisung aus dem Land.
Aber selbst diese Ausweisung ging nicht ohne Rummel ab.
Mehrfache Verzögerungen der Abreise belegen aber auch wie aufwendig es für die arg. Behörden war diese Personen im diplomatischen Dienst nebst ihren Familien, außer Landes zu bringen; zumal England und die USA mit von der Partie waren und die sichere Heimreise garantieren sollten - was sie übrigens auch taten. Der Begriff wiederholt sich in dem umfangreichen Schriftwechsel ständig: "Salvoconducto" - steht für sichere Begleitung.
Voraussetzung war aber, dass das Schiff unterwegs keinen Hafen einer der kriegsführenden Parteien anlief. Daher musste für jedes in Betracht kommende Schiff Namen, anlaufende Häfen und Zielhafen bekannt sein.
Auch ein "Navicert" wurde den entsprechenden Schiffen zugesichert. Neutrale Handelsschiffe, die mitsamt ihrer Ladung von einer kriegsführenden Partei durchsucht und für gefahrlos befunden wurden erhielten diese Bescheinigung und konnten ihre Fahrt in einen neutralen Hafen fortzusetzen.
Da diese Dokumente naturgemäß in Spanisch abgefasst waren, werden nur die relevanten gezeigt, zumal für die gesamten acht genannten Personen 175 Dokumente erarbeitet wurden! – Ø mehr als 20 p.P.
Aber auch dieser Termin wurde gekippt: Grund war, dass der Reisekomfort auf den beiden letztgenannten Schiffen nur für "einfache Passagiere" ( para pasajeros de ninguna especie) ausgerichtet war – der Luxus der Diplomatie fehlte ...
Auch die Familie von G. Sandstede reiste am 02. Februar 1942 mit demselben Schiff ab – seine Frau, die 3 Kinder und die Eltern von ihm.
Das Interessante bei dem Nachfolger als Marineattaché, KptzS. Junge, ist im Dokument zu lesen, dass dieser im Jahr 1941 in Argentinien eingetroffen war, aber nicht als diplomatischer Teil der Deutschen Botschaft anerkannt wurde. Grund war, dass die arg. Regierung durch Resolution bereist 1940 kein zusätzliches diplomatisches Personal mehr akzeptieren wollte, um das bereits Vorhandene nicht noch zu ergänzen – das findige Vorgehen der Deutschen Botschaft mit der diplomatischen Immunität und den dadurch resultierenden Schutz gegenüber den Sicherheitskräften, war erkannt worden. Bereits Mitte April 1942 musste KptzS. Junge das Land wieder verlassen.
Im Abschnitt "Die Internierung 1940 -1943" und in den drei Archiven sind bereits einzelne Dokumente einzusehen mit den Namen der Internierten und ihren Arbeitsstellen und Wohnadressen in Buenos Aires; auch sind einzelne Dokumente der Internierungsorte hinterlegt.
Diese ganze Dokumentierung soll auch zeigen, wie notwendig ausgebildetes Personal für die Unternehmen in der damaligen Zeit gewesen wäre, aber trotz Einwanderung nur bedingt realisierbar, da die Qualität der Ausbildung doch unterschiedlich war; da kam die Besatzung der "Graf Spee" wie gerufen.
In der Galerie sind zunächst die beiden Dokumente für Uruguay abgebildet mit dem Hinweis, dass das Dekret zur Internierung der "Tacoma" und ihre Besatzung noch in Arbeit war, sich aber im Wortlaut nicht prinzipiell von dem der "GS"- Besatzung abwich.
Danach das Memorandum vom 19. Dezember 1939 der argentinischen Regierung; vier Dokumente, die den Bezug auf die Konvention wiedergeben, die in Genf 1864 vereinbart, später in Den Haag 1899 von den internationalen Staaten firmiert, von Argentinien 1907 von Rechts wegen anerkannt und im Gesetz § 5082 verankert wurde und folgend die zwei Dokumente, wo die Artikel zum Dekret angeführt werden.
Später, im März 1940, wurde die Insel Martín García als zusätzlicher Internierungsort festlegt; Grund waren die Fluchten der Offiziere, trotz Ehrenwortabgabe, und die zunehmenden Vorwürfe des Englischen Botschafters in Buenos Aires.
Auf dem dritten Dokument v.re. unter Art. 57 – 3. Absatz steht: "Offiziere können in Freiheit bleiben, unter der Bedingung, dass sie ihr Ehrenwort geben, das neutrale Territorium nicht zu verlassen" - diese Bedingung wurde bekanntlich auf jeden Internierten angewandt.
Wichtig deshalb, weil das Geben des Ehrenwortes keine Erfindung der Internierungsbehörden war, sondern auch in der Genfer Konvention geregelt ist. Einige Offiziere behaupten ja später sie hätten das Ehrenwort nicht gegeben – falsch, sie haben das jedes Mal auf den Passierscheinen sogar unterschrieben. Im Abschnitt "Argentinien" und Unterseiten sind die Vorgänge ohnehin nachzulesen.
Im Abschnitt "Argentinien Der Paradigmenwechsel" ist das Wesentliche über die Zeit ab 1944 zu lesen als Argentinien die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland beendete und für die Internierten ein neuer Abschnitt begann und zu unterschiedlichen Kosequenzen führte. Hier nun die Dokumente über die Geflüchteten bzw. die sich im Land versteckten, Eheschließungen mit und ohne Genehmigung desgleichen mit und ohne Kinder.
Im Abschnitt "Die Internierung 1940-1943" wird auch beschrieben, dass die Internierung erhebliche Kosten verursachte, die zunächst durch Argentinien getragen wurden, anschließend aber der Deutschen Regierung in Rechnung gestellt und beglichen wurde.
Hier die Kostenaufstellungen für die Monate März über $ 83.632,- mit Quittierung der Auszahlung durch OTL Cossavella, Leiter des Internierungsbüros und für April 1944 über $ 77.549,-.
Wenn man ganz moderat nur den Monat April mit 30 Tagen annimmt, auf 12 Monate hochrechnet und nur die 5 Jahre Internierung annimmt (ohne 1945, da als Kriegsgefangene keine Unterstützungsgelder mehr ausgezahlt wurden) kommt man auf eine Summe von $ 4.652.940,- - das wären damals RM 6.514.116,- gewesen – heute € 21.487.535,42.
Weiter eine Liste mit Unterschriften der Internierten über die Auszahlung ihrer Unterstützungsgelder für den Monat März 1944 über $ 93,- für 31 Tage.
Auch wurde das Verhalten des Einzelnen benotet – wer dafür ursächlich verantwortlich war und es den arg. Behörden meldete ist nicht ganz belegt, aber das "Speebüro" ist hier naheliegend.
Es pendelte zwischen "sobresaliente", (hervorragend) "muy buena", (sehr gut) "buena", (gut) "regular" (mäßig) und "mala" (schlecht).
Ersteres war eher für die Bootsleute "reserviert" – für die Offiziere gab es natürlich keine Noten.
